„… der Mensch lernt, mit sich selbst, mit seinen Mitmenschen und mit den Dingen und Phänomenen in dieser Welt umzugehen und dabei Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln“ (vgl. Gartinger, Janssen, 2017, S. 272).
Wie können wir Kinder in ihrer Entwicklung durch schöpferisches Tun begleiten, wie wirken Kunst und Kreativität auf die Gesundheit des sich entwickelnden jungen Menschen? Wie können wir Mitgestaltung und Partizipation entwickeln und fördern? Welche Rolle nehmen Räume und die professionelle Haltung der Pädagog:innen ein?
In der Fachschule erleben die Studierenden in den Bereichen Plastizieren, Malen und Gestalten Bereiche, in denen sie sich selbst bilden können, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten erproben und Erfahrungen für ihre berufliche Praxis finden können.
Mit Goethes Farblehre als Grundlage der Malerei erfahren und erleben die Studierenden staunend die Farben. Im Zeichnen dagegen erleben sie Neugierde erweckendes Hinschauen. So können die Studierenden einerseits das Malen und Zeichnen als ressourcenbildende Kraft in ihrem Beruf und andererseits als Möglichkeit nutzen, mit heranwachsenden Menschen in Kontakt zu treten und gemeinsam die Welt mit offenen Sinnen zu erleben.
Im Bereich Bildnerisches Gestalten können die Studierenden weitere Techniken, Materialien, Methoden kennenlernen, die sie im Raum Werkstatt einsetzen können.
Die Natur, die Jahreszeiten, die Jahresfeste können hier Anreger und Impulssetzer sein. Kinder möchten Handwerkstechniken lernen, sie wollen experimentieren und erforschen, mit ihren Freund:innen Ideen umsetzen.
Dazu benötigen sie Räume. Diese Räume können wir im Hort in Form von offenen künstlerischen Werkstätten anbieten. Wie gestalten wir diese Räume ganz praktisch, welche Fähigkeiten bringen die Kinder mit, welche können wir wie fördern?
Einen weiteren Aspekt dieser künstlerischen Arbeit erleben die Studierenden dabei, wenn sie selbst schöpferisch tätig sind. Hier sind das Erleben eigener Ressourcen, die Selbstfürsorge und Selbstschulung angesprochen.
Musik
Musik ist ein wesentliches Element unseres kulturellen Lebens. Sie wirkt über die gesprochene Sprache hinaus als eigenständiges Ausdrucksmittel und eröffnet Zugänge zu Empfindung, Bewegung und Gemeinschaft.
Gerade für die kindliche Entwicklung hat Musik eine besondere Bedeutung. Im gemeinsamen Singen entsteht ein Gefühl von Zugehörigkeit; Rhythmus, Melodie und Wiederholung unterstützen den Spracherwerb und sprechen die Kinder in ihrem ganzen Wesen an.
In der Ausbildung setzen sich die Studierenden mit musiktheoretischen Grundlagen auseinander und erarbeiten sich eigenständig Liedgut sowie Formen des Instrumentalspiels. Im gemeinsamen Musizieren und im Chor erhalten sie die Möglichkeit, ihre eigene Stimme neu zu entdecken und ein bewussteres Verhältnis zum Singen zu entwickeln.
Welche Wirkung hat Musik auf das Kind in unterschiedlichen Entwicklungsphasen? Wie können musikalische Angebote im Kindergarten und im Hort so gestaltet werden, dass sie das kindliche Erleben stärken und zur aktiven Teilhabe anregen?
Diese Fragen begleiten die praktische Arbeit im Fach Musik. Durch das Erproben vielfältiger musikalischer Angebote für Kindergarten und Hort entsteht ein lebendiges musikalisches Repertoire, das die pädagogische Handlungskompetenz erweitert und Musik als aktives, gestaltendes Medium im Alltag verankert.
Theater
Theater ist eine künstlerische Darstellungsform, die die Vorstellungskraft und Emotionen des Publikums anspricht. Durch Schauspiel, Inszenierung, Bühnenbild und Musik werden Geschichten lebendig, um das Publikum zu unterhalten, zu bewegen und zum Nachdenken anzuregen.
Darstellendes Spiel in der Pädagogik ermöglicht den Kindern und Jugendlichen die Welt, den Menschen, das Leben und sich selbst durch den Körper, die Stimme und den Raum künstlerisch zu begreifen. Unsere Studierenden durchlaufen diesen Prozess selbst. Darstellendes Spiel ermöglicht in andere Rollen zu schlüpfen, die Perspektive zu wechseln, regt die Phantasie an, fördert die Körperwahrnehmung, den sprachlichen Ausdruck und die Präsenz. Darstellendes Spiel fördert das Miteinander, die Annahme des Mitspielers und eine offene und empathische Haltung gegenüber den Akteuren auf der Bühne. Theater erfordert reichlich Disziplin durch Wiederholbarkeit, Abläufe merken, Texte erinnern, aber auch Spontaneität und Offenheit für das Neue. Darstellendes Spiel ermöglicht eine Fülle an ganzheitlichem Kompetenzerwerb, sei es im Sozialen, der Persönlichkeit, in der Sach- und Methodischen Kompetenz. Diesen Prozess durchlaufen die Studierenden anhand eines Theater- oder Eurythmieprojektes.
Eurythmie
Eurythmie ist eine einzigartige Form der Bewegungskunst, die eng mit der Anthroposophie verbunden ist. Sie kombiniert Musik, Sprache und Bewegung zu einer harmonischen und ästhetischen Darstellung.
Stellt euch doch einmal vor, man würde sich zur Sprache so bewegen, dass Worte und Bilder durch die Bewegung zum Ausdruck kommen. Die Sprachinhalte gewännen dadurch an Stimmung und Tiefe, und für jeden Vokal sowie jeden Konsonanten könnte eine feste Gebärde dargestellt werden.
Auch in der Musik, die so vielfältig ist, gibt es unzählige Möglichkeiten, Stimmungen, Tonklänge und sogar Farben zum Ausdruck zu bringen.
Wir gestalten zudem Raumformen, die sowohl festen als auch freien Gesetzmäßigkeiten folgen. Es gibt geometrische Bewegungen, aber auch selbst improvisierte Abläufe.
Hiermit ist es uns möglich, die Raumkoordination zu lernen und zu erweitern. Das soziale Miteinander wird gestärkt! Ich möchte meinen Studierenden Leichtigkeit und Freude über die Bewegung mitgeben. Jede und jeder Einzelne darf sich trauen, in alle Elemente einzutauchen und sich als Individuum zu finden. Diese Bewegungskunst heißt Eurythmie.
Auch in der Pädagogik findet sie ihren Platz. Schon im Kindergarten erleben Kinder diese Kunst und erfahren Sprache in diesem künstlerischen Ausdruck. Das regt sowohl ihren Bewegungssinn, ihren Gleichgewichtssinn, ihr Raumgefühl und ihre Fantasie als auch ein ganzheitliches Begreifen der Sprache in der Gemeinschaft an.
Janina Ewert
Eurythmistin
Sprachgestaltung
In der Sprachgestaltung geht es um die Lebendigkeit und Wirksamkeit der Sprache – sowohl im zwischenmenschlichen als auch im künstlerischen Ausdruck.
Im Fach Sprachgestaltung setzen sich die Studierenden mit ihrem eigenen sprachlichen Ausdruck auseinander. Dies umfasst die Atemführung, Artikulation, Intonation, Satzmelodie, das Tempo und den Rhythmus der Sprache. Gleichzeitig geht es in der künstlerischen Auseinandersetzung um die Frage, wie Bilder und Gedanken, Stimmungen und Gefühle, Wille und Handlung in den sprachlichen Ausdruck kommen.
Welche Wirkung und Kraft hat das Versmaß, und wie drücken sich Epik, Lyrik und Dramatik künstlerisch in der Sprache aus?
Wie gestaltet sich Sprache für das Kleinkind und das Kindergartenkind – sowohl in der Kommunikation als auch in der künstlerischen Gestaltung von Versen, Handgestenspielen, rhythmischen Bewegungen und Puppenspielen, in Geschichten und ersten Märchen?
Bedarf das erwachende Erleben von Dualität im Schulkind nicht auch einer veränderten sprachlichen Gestaltung? Und wie gestaltet sich die Ansprache im Jugendalter, mit seinem Bedürfnis nach Wahrhaftigkeit und Ideal?
Diese vielfältige Gestaltung der Sprache – im Künstlerischen wie im Kommunikativen – erforschen, erleben und üben wir in der Sprachgestaltung.
Eva-Michaela Henke
Sprachgestalterin, Theaterpädagogin, Schauspielerin
Text von Milena Berndt



