Sprache ist unser wichtigstes Instrument der Verständigung – ob mit Freunden, der Familie, im Beruf oder im sozialen Umfeld.
Der Sprache kommt eine immens hohe Bedeutung zu. Sie ist nicht nur Zugang zur Bildung, sondern ermöglicht erst einmal den Austausch in der Familie, die Beteiligung in der Kindergartengruppe, in der Schulgemeinschaft oder der Jugendfreundschaft. Der Mensch ist ein soziales Wesen und möchte teilhaben am gesellschaftlichen Leben und auch an seiner Entwicklung. Dies ermöglicht Sprache – ob mono-, bi- oder multilingual. Nicht immer ist das selbstverständlich und manchmal auch durch sprachliche Störungen oder Behinderungen erschwert.
Die sprachliche Bildung steht vor einer herausfordernden Aufgabe in einer Zeit sprachlicher Vielfalt und Diversität – an der Du mitwirken kannst. Die Entwicklung der Sprache in all ihren Formen wird Dir nahegebracht. Auch gendersensible Sprache, diskriminierende Sprache, Sprache und soziale Schicht, inklusive Sprache usw. werden thematisiert.
Wir sind eine Schule mit der Selbstverpflichtung:
„Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ – und das aus Überzeugung!
Von daher ist uns auch eine interkulturelle Sprachsensibilität und Erziehung wichtig.
Nun steht die Frage nach der Umsetzung der sprachlichen Bildung im Raum.
Die Kunst der Sprachbildung
Ein Steckenpferd der Waldorfpädagogik
Herausragend und von hoher Qualität ist die Sprachbildung in der Waldorfpädagogik.
Wie gelingt das? Es sind die vielen praktischen Tools, die wir Dir in der Ausbildung mitgeben und die in der Praxis leben. Allem voran aber steht die innere Haltung der Pädagogin/des Pädagogen, die eigene Hingabe und Freude an der Sprache und ihrer sinnlichen Darstellung durch verschiedene Methoden – mit dem Wissen, dass das Kind im ersten Jahrsiebt ein offen und ganzheitlich wahrnehmendes und nachahmendes Wesen ist.
Bleibend in der Erinnerung ist jeder Vers, Spruch, jedes Handgesten-, rhythmische Bewegungs- und Puppenspiel, jede Geschichte und jedes Märchen, da die Pädagogin/der Pädagoge wortgetreu wiederholt und meist auswendig spricht. Zudem beachtet die Waldorfpädagogik in der Wahl der Verse, Spiele und Geschichten nicht nur den Bildungs- und Förderaspekt der Sprache, sondern auch das Naturerleben im Einklang mit dem seelischen Erleben des Kindes.
Hier gilt der Grundsatz: Wie außen, so auch innen.
Die Spiele wirken auf diese Weise nicht nur sprachbildend, sondern lassen das Kind erleben, dass es tief mit der Natur verbunden und im seelischen Widerhall ein Teil von ihr ist. Dies ist im weitesten Sinne ein ganzheitliches Lernen der Sprache mit allen Sinnen – in der Gemeinschaft und in inniger Verbundenheit mit den Natur- und Seelenkräften des Jahreslaufes.
Der Bildungsauftrag liegt beim Schulkind vorwiegend in der Schule.
Im Hort geht es primär darum, das soziale Miteinander zu gestalten – ob beim Essen, Spielen, Chillen, beim Angebot oder in der Projektarbeit, den Hausaufgaben, beim Ausflug oder der Klassenfahrt. Es geht um Freundschaft, Peergroup, Gemeinschaft und Zugehörigkeit und das aktive Mitgestalten dieser sozialen Räume.
Partizipation und Teilhabe nehmen einen großen Stellenwert ein, da das Kind etwas bewerkstelligen und erleben möchte. Der Hort wird von der ersten bis zur sechsten Klasse besucht.
Die Seele des Schulkindes schöpft einen Teil seiner Werte durch Märchen, Geschichten, Heldensagen, Kinder- und Jugendliteratur.
An deren Bildern, Handlungen und Figuren erlebt das Kind die Auseinandersetzung von Gut und Böse, kann sich mit den Helden identifizieren und seinen Moral- und Wertekanon aufbauen und bilden.
Sprachbildung im zweiten Jahrsiebt findet vorwiegend über die Kommunikation im Alltag, das Vorlesen und das Initiieren von Angeboten oder Projekten statt. Spezifische Angebote wie Erzähl- und Schreibwerkstatt, darstellendes Spiel, Puppentheater, Band, Film, Kochbuch etc. tragen im Besonderen zur sprachlichen Bildung bei.
Im Grunde dient jede Tätigkeit als Anlass zur sprachlichen Bildung.
Ein besonderes Augenmerk gilt hier Kindern mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrung, da sie meist keine Kenntnisse der deutschen Sprache besitzen. Die Pädagogin/der Pädagoge wirkt unterstützend im DAZ-Unterricht (Deutsch als Zweitsprache).
Das Puppentheater spielt eine bedeutende Rolle für die Sprachbildung, auch von Kindern im Grundschulalter. Es kombiniert das gesprochene Wort mit Bewegung und Handlung. Gefühle werden sichtbar und hörbar gemacht.
Durch das Puppentheater kann Sprache also auf eine ganzheitliche, spielerische und kreative Weise erlebt und geübt werden.
Bei uns lernst Du das Kasperle-Theater, Schattentheater und Handpuppenspiel kennen und probierst Dich darin aus.
Eva-Michaela Henke
Dozentin für Sprachentwicklung, Sprachbildung, Sprachgestaltung, Theaterpädagogik, Sprache und Diversität, Märchen und Präsentationstechniken.